 |
|
|
|
|
|
|
 |
Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: rudi49muenchen (-)
Datum: 25. Juli 2010 15:42
Gibt es so etwas wie ein „zweites Coming Out“? Und meint Coming Out eigentlich nur, dass man sich ANDEREN offenbart, oder AUCH (bzw. vielleicht sogar in erster Linie), dass man SICH SELBST seine sexuelle Orientierung eingesteht, sich zu ihr bekennt?
Und was ist, wenn man selbst sie immer noch nicht ganz versteht, diese „Orientierung“, weil man weder Fisch ist noch Fleisch, weder homo, noch hetero, oder beides zusammen?
Gewiß, es gibt auch dafür ein Wort: Bisexualität. Aber ist das nicht nur ein WORT – beschreibt es mich und meine (Des-)Orientierung wirklich richtig und tiefgehend?
Oh ja, ich habe einiges darüber gelesen, hier im Internet und in verschiedenen Büchern. Stolz beschreiben Männer und Frauen ihre Bi-Sexualität als Bereicherung, als „runde Sache“, als Erweiterung der Möglichkeiten der Liebe und der Lust. Ich aber erlebe es mehr als Verwirrung und innere Zerrissenheit.
Oder ist es eh eine Selbsttäuschung, wenn ich mich als bi bezeichne, Furcht vor der Homosexualität, weil ich mich aufgrund meiner (kath.) Erziehung und uneingestandenen Schuldkomplexe einfach nicht traue, „schwul“ zu sein?
Aber warum verliebe ich mich dann in Frauen und nur in Frauen? Warum liebe ich Johanna, meine Freundin, und würde niemals eine dritte Person in unserer Beziehung dulden oder gar wollen?
Ich habe vor Johanna andere Frauen geliebt, aber immer nur Frauen und immer nur eine gleichzeitig. Ich möchte meine Freundin nicht betrügen, nicht einmal küssen würde ich eine andere Frau. Wenn es da mal hin und wieder eine Versuchung gibt, kann ich mich beherrschen. Aber ich WILL mich nicht (mehr) beherrschen, wenn es um Männer geht!
Ich schiele nach männlichen Gliedern, Beinen und Hintern (ja auch nach netten Gesichtern …), Männerkörper erregen mich halbnackt und nackt. Ich spüre heftiges Verlangen nach erotischen Situationen und intimen Berührungen mit dem eigenen, dem männlichen Geschlecht …
Dabei will ich nichts, was mich zu sehr an die Zärtlichkeit mit einer Frau erinnern würde, also keine Küsse auf den Mund und keine Penetration des Anus. Aber - mit einem Mann zusammen „kommen“, nach visueller, manueller, oraler Stimulation – danach verlangt es mich entsetzlich.
Keine „romantischen Gefühle“ für Männer, keine Liebe, keine „Beziehung“ mit M. , das ist bei mir den Frauen vorbehalten bzw. einer ganz bestimmten Frau, der Johanna.
Aber: unglaubliche Erregung, unermessliches Begehren, unbeschreibliche Wollust von Mann zu Mann.
Ja auch den Sex mit meiner Freundin mag ich, und vorher mochte ich ihn mit andern Frauen, aber er hat da für mich mehr Symbolcharakter: als Gipfel der Zusammengehörigkeit und Nähe, als Zeichen der Liebe.
Dagegen ist es mit Männern pure Körperlichkeit für mich.
Nun ja, Sympathie und Vertrauen sollten schon mit im Spiel sein, aber halt keine „tieferen Gefühle“, keine Sentimentalität, auch keine Treue: Männer begehre ich viele verschiedene …
Meine ersten erotischen Erlebnisse hatte ich zwischen 14 und 18 mit anderen Jungs, also homo… aber harmlos. Nur, was auch andere Buben mit anderen Buben machen: Gucken, anfassen, stöhnen, reiben …
Es war mit schlechtem Gewissen verbunden und mit vielen Ängsten, .. aber wahnsinnig geil.
Ich hielt das für eine rein altersbedingte Notlösung …
Dann hatte ich ein kleines Abenteuer mit einem Mädchen, dann ein richtige Freundin, große Liebe. Ich war völlig verzweifelt, als Susanne Schluss gemacht hat. Dann hab ich einen Kerl verführt. Das hat mich wieder aufgebaut, und ich habe auch andere wieder begehrt. Damals dachte ich das erste Mal daran, dass ich bi sein könnte. Und hatte eine Reihe sehr aufregender Erlebnisse, bis ich 26 war. Dann wieder große Liebe, Heirat, Verdrängung. Dachte das wäre nur eine „Phase“ gewesen, die jetzt vorbei sei. Höchstens mal bei Onanieren an Boys oder Männer gedacht, an meine früheren Erlebnisse.
Jetzt bin ich schon geschieden. Haber eine neue Freundin (s.o.). Aber mich verlangt auch nach dem Sex mit Männern (wobei ich keinen Analsex meine) – und ich will es nicht mehr immer von mir weg schieben, aber auch meine Beziehung nicht gefährden.
Was bedeutet das „Coming Out“ bei dieser Gefühlslage? Erst mal wohl, dass ich mir selbst über sie klar werde. Klar geworden bin, sie – wie eben jetzt – aussprechen kann.
Und dann: dass ich eine Weg finde, dies alles doch noch „unter einen Hut zu bringen“, einen Weg ALLE meine Bedürfnisse zu LEBEN! Oder wäre das doch unmoralisch?
Geht es jemandem ähnlich wie mir? Was soll ich tun?
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Mickey2 (-)
Datum: 25. Juli 2010 19:04
Lieber Rudi,
erst einmal vielen Dank für Deinen Beitrag hier.
Ich bin immer etwas im Zweifel gewesen, ob es "bi" tatsächlich gibt oder ob das manchmal nur "Wunschdenken" mancher homosexueller Menschen ist. Ist man schwul/lesbisch und will es sich nicht eingestehen und strebt daher so sehr nach "Normalität", daß man eine Beziehung mit Menschen anderen Geschlechts eingehen kann? Ich weiß es nicht, aber Du scheinst wohl vielleicht Bisexuell zu sein. Ob Du das bist, kannst Du sicher nur selbst beantworten, denke ich. Hetero scheinst Du nicht zu sein, denn sonst würden Dich Männer nicht in der Form anziehen, wie Du beschreibst. Ob nun schwul oder bi, das ist eine schwere Frage.
Ob nun etwas moralisch ist oder nicht - ich denke, auch dafür gibt es keine Antwort. Ich denke immer: solange man niemanden anderen verletzt, ist nichts "unmoralisch". Wenn Du Menschen findest, die das mitmachen, was Du begehrst, dann ist das doch wunderbar. Wenn andere dadurch gequält oder verletzt werden, dann stellt es ein Problem da. Wenn Deine Freundin damit gut leben kann, daß Du auch was mit Männern hast und auch diese Männer kein Problem damit haben, ist es o.k. Handlungsbedarf ist dann da, wenn es eben ein Problem für jemanden ist.
Vielleicht solltest Du noch versuchen in Dich rein zu hören, warum Männer für Dich eher "nur" Sexobjekte sind? Warum kannst Du Dir nicht tiefere Gefühle zusätzlich bei Ihnen vorstellen? Ist es wirklich so oder läßt Du dies vielleicht nicht zu? Ich weiß es nicht, stelle nur Fragen. Ich für meinen Teil kann mir eben Sex mit Männern nur mit tieferen Gefühlen vorstellen, daher ist Deine Situation der meinen da etwas konträr - wobei meine Situation auch nicht nur gut ist (gerade zuletzt habe ich ja auch darüber hier diskutiert und damit wohl auch viel Schaden angerichtet...).
Vielleicht gibt es hier im Forum ja Leute, die ähnlich denken und fühlen wie Du und die können Dir mehre sagen als ich. Daher also nur meine Gedanken und Fragen...
Ich wünsche Dir viel Erfolg, daß Du da etwas weiter kommst.
Liebe Grüße,
Mickey2
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Rudolf (-)
Datum: 25. Juli 2010 23:45
Lieber Rudi und Mickey
Ich zum Beispiel, finde mich in der von Rudi geschriebenen Geschichte wieder.
Leider muss ich immer wieder feststellen, dass von Schwulen Bisexualität in Frage gestellt wird. Auch in diesem Forum. Ich liebe meine Frau , meine Familie. Sie liebt mich auch mit der Neigung. Seit fünf Jahren habe ich einen festen Freund, der von meiner Frau akzeptiert wird , wir verbringen gemeinsam unsere Freizeit, besuchen uns gegenseitig. Trotzdem habe und hatte ich erfüllten Sex mit dem weiblichen Geschlecht, wie eben auch mit dem männlichen Geschlecht.
25 Jahre habe ich ein Doppelleben geführt , immer war das Verlangen nach Sex mit Männern da , wobei ich mir den Wusch auf unterschiedlichste Weise erfüllt habe. Aber ich hatte nie das Verlangen mit einem Mann zusammenzuleben . Genau im 25 sten Jahr passierte dass, was ich nicht für möglich gehalten hätte, ich verliebte mich in einem Mann. Das war dann auch der Auslöser für mein Coming Out . Die Beziehung zu diesem Mann war nur kurzzeitig. Meine Frau und ich haben uns in einer tränenreichen Nacht geschworen dass wir zusammenbleiben wollen. Sie sicherte mir zu, dass ich meine Neigung ausleben darf, kurze Zeit später kam mein jetziger Freund zu einem „Antrittsbesuch“ zu uns nach Hause. Das Verhältnis zwischen meiner Frau und meinem Freund ist entspannt und locker. Ich lebe quasi in einer polygamen Beziehung.
Lieber Rudi , wenn Du Fragen hast , dann bin ich gern bereit zu antworten. Wenn Du hier im Archiv des Forum suchst wirst Du auch einiges von mir finden.
Liebe Grüße Rudolf
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 26. Juli 2010 16:13
Hallo Rudi,
schön, dass Du hierher gefunden hast und schön Deine Geschichte zu lesen.
Tja, man könnte meinen Dein Leben verläuft im Zick-Zack zwischen Männern und Frauen.
Bei genauerer Betrachtung ist es aber eher das "Männer-Ufer" mit einigen Abstechern auf die "Frauenseite" ...
Dass Du schreibst "eine Beziehung ist NUR EINER einzigen Frau vorbehalten", dann drückst Du dabei aus, was "Dein Kopf" meint, meinen zu müssen ...
Dein Bauch, Dein Körper, Deine Seele will was anderes ...
Ganz ehrlich, nach mehreren BI-Diskussionen bin ich der Überzeugung, dass BI (im landläufigen Sinne) ein Übergangsstadium von Hetero zu Homo ist.
Ich hätte mich vor 15 Jahren als "Stockhetero", vielleicht mit einer winzigkleinen BI-Tendenz bezeichnet. Noch kurz vor meinem CO hätte ich in jedem Fragebogen Hetero oder Bi angekreuzt.
Du bist viel viel weiter auf der Homo-Seite, als ich vor meinem CO jemals war.
Geh' in Dich, schmeiß die Feigheit über Bord, und auch das schlechte Gewissen gegenüber (D)einer Freundin.
Falls sie jemals einen anderen Mann "zwischen die Beine" bekommt, weiß sie, was Du für eine Mogelpackung bist ... ;-(
Ja, es gibt das Coming Out ZWEIMAL!!
Einmal VOR DIR SELBST, Du musst es Dir ins Gesicht (Spiegel) sagen: "Ich bin schwul", einmal, zweimal, zehnmal ... und Du musst es für Dich akzeptieren.
Das nächste Coming-Out gibt es dann vor Frau oder Freundin, das ist nochmal ein sehr sehr großer Schritt.
Danach sind alle weiteren Coming-Outs "ein Kinderspiel". Es wird immer selbstverstädlicher und normaler dazu zu stehen ... ;-)
Ich wünsche Dir Geduld, Kraft und Mut auf dem Weg zu Dir selbst.
Ganz lieben Gruß
Victor
1 mal bearbeitet. Zuletzt am 26.07.10 16:16.
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: bekadi (-)
Datum: 29. Juli 2010 00:01
Hallo Rudi und alle anderen..
nach langem hin und her habe ich mich entschlossen, doch noch einmal ein Statement abzugeben.
Das was du schreibst, Rudi, ist das, was die Meisten von uns auch erlebt haben, deine Bedenken und Gedanken sind durchweg identisch. Der ewige Streit ob bi, schwul, hetero, wer will ihn lösen, aber.. es gibt nicht ein wenig schwanger sprich, ein bisschen schwul, ein bisschen hetero. Ich bin bestimmt kein Typ, der Männer ohne Ende hatte und sich als allwissend da stellen möchte, daher kurz dies aus meinen Erfahrungen, Erlebnissen: ich habe Männer getroffen, die alles so wie du oben beschrieben hast, erzählten.. und sie wollten nur einmal aus Neugierde etwas mit einem Mann haben... aber bei diesen Männern ist es zu 90% einmalig gewesen, eben Neugier. Der Rest ist eben wirklich entweder versteckt oder später offen schwul! Und aus eigener Erfahrung, bitterer Erfahrung, kann einem die Liebe im Endeffekt einen Streich spielen. Ich einen Mann küssen? Niemals, denn ich bin ja, wenn überhaupt, bi! Jo... und dann kam ER und aus und vorbei war es mit bi oder sonst etwas. Dann vergißt du alles, denke einmal, vielleicht hast du so etwas mit einer Frau (so wie ich auch) erlebt.
Ich möchte dir nur soviel sagen, täusche dich nicht in deinem Gefühl zu Männern, und sei mit dem Begriff bisexuell vorsichtig! Und vor allem sei dir bewußt, ein Comming out ist nicht mal so eben daher gesagt.. es hat Folgen! In dir, bei deinen Freunden, deiner Familie etc. und ich schließe mich dem, was mein Vorredner geschrieben hat, weites gehend an! Entscheide dich erst einmal für dich alleine, finde für dich alleine heraus, wo du stehst!
Es ist ein verdammt steiniger und harter Weg, der viel, viel zerstört, manchmal auch befreit.
Ich wünsche dir die Kraft und Erkenntnis, den richtigen Weg zu gehen!
LG
Dieter
P.S. ich bin an diesem Weg zerbrochen!
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 30. Juli 2010 01:57
Hallo bekadi,
da ist viel wahres dran. Einmal schnuppern ... hetero bleiben, so kann es gehen.
Einmal schnuppern ... die Erfüllung finden, so geht es den versteckten.
Wenn es möglich ist, sich selbst klar zu werden, ohne die Frau zu betrügen, das mag der Idealfall sein, aber auch eine der wenigen Möglichkeiten, für die Zukunft eine halbwegs gute Freundschaft zu behalten ...
Einziger Weg ist die schonungslose Offenheit, an jeder Stelle, wo es notwendig und angebracht ist. Jeder Zweifel ist sofort zu beseitigen. Jede Täuschung, Verzögerung, Vorspielung falscher Tatsachen, Lügen etc. führt "ins Verderben".
Es tut mir leid, dass Du meinst, an diesem dem Weg zerbrochen zu sein, aber vielleicht gibt es ja doch noch was "zu kitten".
Lieben Gruß
Victor
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: bekadi (-)
Datum: 30. Juli 2010 08:51
@Victor... danke für deine Wünsche, was soll man kitten? Gefühle kann man nicht kitten. Ich versuche nunmehr seit über 15 Jahren und mehr damit zu leben, dass ich die Gefühle der Menschen die mir nahestehen verletzte. Ich bin damals, nach meinem CO bewußt aus Liebe(!!) bei meiner Frau, meiner Familie geblieben. Habe nur unterschätzt, das es einen innerlich kaputt macht ständig über alles zu grübeln, sich selbst einzusperren.. alles nur mit dem Gedanken.. du darfst der Familie nicht noch mehr weh tun. Und sich gegen das Verlangen zu "wehren" mit einem Mann zu schlafen. Ja, es gab den einen oder anderen geheimen "Ausrutscher", aber der verursachte nur noch mehr Schmerz.
Mein Fazit: versucht es nicht, einer Frau einzureden (und euch selbst), ach, das geht schon! Nein! Wenn, dann zieht einen Schlußstrich und geht auseinander! Der Schmerz ist kurz und hart, aber danach wird es Frieden in euren Gefühlen geben.
Liebe Grüße
Dieter
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Mickey2 (-)
Datum: 30. Juli 2010 10:01
Hi Dieter,
daß Du bei Deiner Frau "aus Liebe" bliebst, finde ich auch nicht unnachvollziehbar. Ich liebe auch verschiedene Frauen und würde für manche sehr viel geben. Man "liebt" ja nicht zwingend immer nur in die Richtung, in die die "sexuelle Orientierung" geht - das ist ja auch gut so. Und daß Du auch Deine Familie liebst, ist doch völlig klar. Ich habe auch sehr starke Gefühle für einige Menschen, Frauen und Männer, zu denen ich im Leben nie eine sexuelle Beziehung haben werden.
Außerdem kann ich auch den Wunsch verstehen, eigentlich ein "normales" Leben leben zu wollen, sich nicht outen zu "müssen", nicht diese schweren Entscheidungen fällen zu "müssen" etc. Das sind ja sehr starke Wünsche, Hoffnungen, und daß es einem schwer fällt, einen anderen Weg einzugehen, der die womöglich stark gefährdet, ist auch irgendwie "normal".
Egal nun, ob Dui vielleicht "bi" oder "schwul" bist, ich denke dennoch, Du solltest MIT Deiner Familie dies früher oder später besprechen, gerade WEIL Du sie liebst. Sie haben doch ein Recht darauf zu wissen, woran sie sind. Und sie haben auch ein Recht darauf, mit zu entscheiden, wie sie ihre eigene Zukunft sehen. Vielleicht findet Ihr ja auch ZUSAMMEN einen für Euch ALLE gangbaren Weg? Und: meinst Du nicht, daß Deine Familie - mindestens Deine Frau -, die dich gut kennt, nicht auch früher oder später merken wird, daß Du an etwas knabberst, daß Du grübelst, daß Du leidest? Und will Deine Familie das? Ich würde sagen, eher nein. Denn auch sie LIEBT Dich ja.
Sorry, natürlich mag ich mich auch nicht zu sehr in Deine Gedanken einmischen, und Du solltest Dich auch zu nichts, was hier von irgendwem gesagt wird, überreden lassen. Wenn Du was tuest und änderst, dann nur, weil Du es für richtig hältst. Aber vielleicht helfen Dir ja die Gedanken, deshalb schreibst Du ja sicher hier auch.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück und Kraft für Dein weiteres Handeln,
Mickey2
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 31. Juli 2010 12:38
Hallo Dieter,
ich habe in meinem Leben recht früh gemerkt, dass man eigentlich immer die "Looserposition" hat, solange man irgendwas irgendwem zuliebe macht, oder meint machen zu müssen. (Erstens sagen die nie genau, was sie wollen, und fast immer liegt man falsch, wenn man versucht es zu raten ...)
Jedesmal wenn ich das tat, habe ich lange gelitten. Und wenn es mir dann zuviel wurde, und ich dann endlich das gemacht habe, was ICH wollte, PENG, und plötzlich war es überhaupt kein Problem mehr. Zugegeben, manchmal gab es eine Stunde Zoff, doch was ist das gegen Jahre oder Jahrzehnte.
Nein, man tut niemandem einen Gefallen, wenn man sich IHMZULIEBE oder IHRZULIEBE verstellt, zurückhält, einschränkt oder sonstwas. (Es wird zwar immer als Egoismus bezeichnet, ist es aber nicht.)
Viele Sachen habe ich in meiner Jugend nicht gemacht, weil ich nicht den Mumm hatte zu schwindeln bzw. sie trotzdem zu tun und dazu zu stehen.
Mein Bruder kam nachts um 1.00 heim, wurde erwischt, bekam eine Standpauke und ging am nächsten Tag wieder raus ... ich blieb vorsichtshalber daheim :-((((
Allerdings, das, was ich ganz ganz kräftig wollte, habe ich getan, meist ohne große Folgen ... (wie blöd ich war, weiß ich erst heute!).
Und dann habe ich erst vor einem Jahr von meinen Geschwistern gehört, dass sie mich immer schon heimlich bewundert haben ... der Victor, wenn der was will, dann zieht er das durch, und plötzlich funktioniert es.
Als ich endlich die "Endgültigkeit" meines Schwulseins erkannt hatte, da gabe es nur einen Weg: RAUS DAMIT und zwar bei den Personen, für die es wichtig ist!
Eine Zurückhaltung meinerseits zugunsten Frau und Kindern, Eltern, Geschwistern und anderen Leuten hätte nur ins Chaos und in die absolute Unglücklichkeit geführt.
Das wäre ein immerwährendes Chaos auf Raten geworden, hier eine Heimlichkeit, da erwischt worden, dort geschwindelt, dann verdrückt und gelogen NEIN!
Wen schlage ich vor den Kopf???? Wenn Du ein Buch liest und umblätterst, bist DUUU dafür verantwortlich, was Du mit dem gelesenen machst, NICHT der Author.
Also sind alle Deine Bekannten, Omas, Tanten, Frauen, Kinder, Eltern und sonstwer VÖLLIG SELBST DAFÜR VERANTWORTLICH, was sie machen, wenn sie erfahren, dass Du schwul bist, nach Männern schielst, mit Männern kuschelst, chattest, Sex hast und einen Freund mit nach Hause bringst. Es ist DENEN IHRE Aufgabe damit klarzukommen.
Und wer es Eltern und anderen Nahestehenden Personen AKTIV verheimlicht oder Fragen in die Richtung ABSICHTLICH falsch beantwortet, der begeht eines der schlimmsten "Verbrechen", die man aus meiner Sicht begehen kann: Vertrauensbruch, Geringschätzung und Missachtung, NEIN, das darf nicht sein.
Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen einer Frau, die bloß von ihrem Mann "auf Händen getragen wird" aber sexuell unbefriedigt ist, und einer Frau, die leben und lieben kann, wie es eine Frau muss!! Ich kann das Aufblühen sehen.
Genau das habe ich vorhergesehen und dementsprechend gehandelt.
Klar, danach kam eine schwere Zeit des Neuanfangs, der Selbstfindung für mich und meine Frau, das dauerte ca. 1 Jahr, und zwar genau bis zu dem Punkt, an dem ich bzw. wir beide bereit waren einen SCHLUSSSTRICH zu ziehen.
Er wurde dann in Bezug auf unsere Beziehung gezogen, durchs Leben begleiten wir uns aber seit über 1/2 Jahr als beste Freunde.
Ich denke, auch Für Dich ist es nicht zu spät!
Der Film "Männer á la Carte" kann da nur eine kleine Anregung sein.
(ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich den vor meinem CO gesehen hätte ...)
Hey, Dieter, Du kannst immer noch durchstarten und die Parkposition am Rande des Rollfeldes verlassen. Komm, fahr die Turbinen hoch und ab die Post ... ;-))))
Ich wünsche Dir alle Kraft der Welt auf dem Wege zu Dir selbst.
Lieben Gruß
Victor
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: bekadi (-)
Datum: 05. August 2010 17:16
Hallo Victor,
danke für deine doch sehr gute Antwort und die wohlgemeinten Ratschläge! Du hast alles sehr gut erkannt und deine Schlüsse daraus sind nachvollziehbar und auch logisch! Ich weiß nicht, aber ich denke, es ist aus meinen Antworten auf die obigen Schreiben nicht so recht heraus gekommen; ich bin geoutet, der Familie und Freunden gegenüber, sehe es aber für MICH als Nachteil an! Ich habe nicht die Kraft gefunden, einen wirklichen Schlußstrich unter allem zu ziehen! Es gab mal einen schönen Titel von Hermann van Veen.. es wollte ein Mann so gerne nicht mehr leben... in diesem wird geschildert, das er immer und immer wieder versuchte sich umzubringen, aber immer war da etwas, erst die Frau, dann die Kinder etc. etc. und so starb er friedlich irgendwann im Alter im Bett.. dies ist für mich übertragbar im Bezug auf Frau, Kinder usw. Beispiel: meine Frau ist Alkoholikerin.. kann ich sie verlassen? Was passiert dann? Und so könnte ich ohne Ende fortfahren, es reißt nie ab! Dazu die großen Enttäuschungen mit schwulen Freunden, Ehrlichkeit, Gefühle? Nein, anfangs die großen Schwüre, danach nur heiße Luft!
Im Moment bin ich von allem mehr als enttäuscht, stehe neben mir, keine Ahnung was wird. Nein, die Selbstmordgedanken habe ich nicht mehr, hänge dazu zu sehr an meinen Enkeln, sie sind für mich Ersatz für vieles.
Ich wollte auch nur, nach all den oft so überschwänglichen Berichten, wie wunderbar und schön es doch nach dem Outing ist, einmal einen Gegenpol setzten, aufzeigen, dass eben nicht nur alles nur so wunderbar ist.
Danke dir, Victor...
LG
Dieter
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Thomas (-)
Datum: 11. August 2010 11:57
Hallo Dieter,
was du beschreibst sehe ich nicht als Gegenpol zum erfolgreichen CO. Das nicht alle schwulen Männer treue und ehrenvolle Supergays (siehe genauso Heteros) sind, dass versteht sich von selbst. Nicht nur den passenden Mann, auch gute Freunde allgemein findet man nicht wie Sand am Meer. Mit menschlichen Enttäuschungen müssen wir alle Leben und daraus Lernen, was hat das mit Schwul zu tun?
Sich für die Krankheit eines Partners selbst zurück nehmen ist wirklich Ehrenvoll, dafür hast du meine volle Achtung. Nur jeder der die Krankheit Alkoholismus kennt und versteht, der weiß das die schützende Hand nichts bringt. Was du beschreibst hört sich schwer Co-Abhängig an, deine Lethargie spricht Bände.
Geh in eine AAGruppe und zu einem Therapeuten mit Suchterfahrung, rede da offen über deine Gefühle. Damit greifst du in euer Leben besser ein als alles im Stillstand zu halten.
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 11. August 2010 17:51
Hallo,
jetzt werden noch einige andere Zusammenhänge klar.
Oha, Du lebst unglücklich mit Deinem CO, weil Du es Deiner Frau zuliebe nicht vollständig "durchziehen" kannst.
Welch ein lebenslanges Unglück wartet auf Euch, und das ohne Aussicht auf das Bundesverdienstkreuz.
Alkoholabhängigen kann man als Angehöriger, als Verwandter als Schwager oder als Freund nicht helfen, das kenne ich aus eigener Erfahrung.
Der Abhängige muss erst wirklich total am Boden liegen (mit der Unterlippe im Rinnstein) bevor er nur im Entferntesten daran denkt, etwas zu ändern (ich krige immer symbolische "Haue", wenn ich das so überspitzt formuliere).
Leider hilft Liebe, oder "lieb sein wollen" hier nicht weiter.
So hart es klingt, Du hast die Wahl, für Dich noch was aus dem Rest des Lebens zu machen, oder als "Märthyrer" irgendwann abzudanken ...
Ob es ein Trost ist, dass Du dann vielleicht sogar länger lebst, als wenn Du jetzt "die Sau raus lässt" und "lebst", wage ich zu bezweifeln ...
Ich fühle sehr viel Schmerz ... :-(
Und Angst vor der eigentlich zu treffenden Entscheidung ...
Lieben Gruß
Victor
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: bekadi (-)
Datum: 11. August 2010 18:54
Hey @ all,
kurz zur Alkoholabhängigkeit: ich weiß, dass ein Süchtiger erst völlig down sein muß, auch das die Einsicht von seiner Seite kommen muß, meine Frau ist leider nicht die/der Erste mit dem ich das erlebe. Vielleicht kann ich es etwas einfacher erklären;mir fehlt (zumindest derzeit) einfach die Kraft weiter zu kämpfen, mich durchzusetzten. Ich selber leide unter starken Schmerzen, die wir mit Morphium im Griff halten, aber es zehrt an den Kräften. Ich rede viel mit meinen Kindern über diese Dinge, auch von ihnen kommt der Rat, "schmeiß alles hin und gehe.. vielleicht wird sie dann einmal wach und versteht dich!" Aber auch sie wissen, dass ich es nicht fertig bringe. Mag sein, dass mein Doc (dem ich immer wieder nur für seinen Rat danken kann) Recht hat und hier mein erlebtes, meine Erziehung hier immer noch eine Rolle spielt... so etwas tut man nicht!
Victor, wie waht ist dein vorletzter Absatz! Und glaube mir, ich schaue in den Spiegel und frage mich genau das!
Thomas, der Rat mit Selbsthilfegruppen ist gut, nur habe ich auch hier keine guten Erfahrungen gemacht, es war mehr so eine Art; na, vielleicht für mich heute einer dabei? Und auch Therapeuten (für mich) haben mich enttäuscht, die meisten raffen die Probleme nicht und dies gutschi gutschi gehabe, lieb aus den Augen glotzen und ach, ist doch gar nicht so schlimm, das schaffen sie schon.. ne, danke!
ABER!!!!!
Ihr habt mir mit dem, was ihr schreibt, dennoch so etwas wie Trost/Rat geschenkt und für mich ist es wichtig, einmal die wahren Ansichten der "Leidensgenossen" zu lesen. Und ich konnte meine Erfahrungen so schreiben, wie ich sie sehe/fühle, ungeschminkt und fern von "lieb" sein.
Ich danke euch und hoffe, dass wir dennoch weiter voneinander hören.
LG
Dieter
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 11. August 2010 23:36
Hallo Dieter,
alle Achtung, du hast schon einiges hinter Dir und schon jede Menge Erkenntnisse "aufgesammelt".
Möge Dir jetzt noch die Erkenntnis zufliegen, dass DU letztlich für Dich verantwortlich bist. Andere müssen irgendwann auch Verantwortung für sich selbst übernehmen.
Wir als Kinder, haben früher unseren Vater auch ermutigt, "einen anderen Weg einzuschlagen", er hat es nicht getan, für sich, für uns Kinder und für seine Frau ... Ende vom Liede, er ist nur knapp 60 geworden ... schade ...
Ich habe am eigene Leibe erlebt, wie psychische Faktoren das körperliche Wohbefinden beeiträchtigen können.
Durch Zufall habe ich eine Methode kennengelernt, die mir half, unbewusst die ersten Blockaden zu lösen. Das ermöglichte mir mein Schwulsein zu aktzeptieren und das Coming-Out zu starten.
Dieses wiederum führte dazu, dass ich einige Körperliche Beschwerden zwar nicht komplett losbin, aber viel weniger Sympthome zeige bzw. noch weniger darunter leide (Allergie, Verdauungsprobleme, Verspannungen etc.)
Weiterhin kann ich mittlerweile bestimmte Situationen, "in denen ich früher hochgegangen wäre, oder gegen Windmühlen gekämpft hätte" durchstehen, und tatsächlich zusehen, wie gegen meinen Rat gehandelt wird.
Ich gebe den Rat, die anderen sind dafür verantwortlich, was sie draus machen ...
Bitte denke an Dich!
(...)
Lieben Gruß
Victor
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Thomas (-)
Datum: 11. August 2010 23:42
Hi Dieter,
du hast es wirklich schwer, wenn deine Realität für dich so Trüb ist müssen aber irgendwo in dir doch noch Wünsche sein. Schwul bist du, das kannst du nicht wegreden. Morphin zollt ja dem griechischen Gott der Träume, zumindest da muss doch mal ein Mann vorkommen mit dem du Glücklich bist? Dazu gibt es den schönen Satz "Selbst wenn ein Traum nur einmal wahr wird, verändert er dein Leben für immer", die Hoffnung stirbt zuletzt, oder?
Ein Leidensgenosse bin ich nicht, ich kann dir eine menge Schicksale aufzählen die mir in den letzten Jahren das Leben nicht leicht gemacht haben, aber in mir steckt eine naive Lust am Leben und ich bin Dankbar für jeden Tag wo das so bleibt.
Warum bist du gesundheitlich so angeschlagen? War deine Frau schon mal in Kur? Wenn nicht, sprich mit ihr und eurem Hausarzt. Wenn du mit ihr dagegen Kämpfen möchtest, dann lass nichts unversucht. Wie reagierte sie auf dein Outing? Kann sie überhaupt noch glücklich an deiner Seite sein? Trinkt sie ständig oder in Etappen?
Ein paar Fragen um dich vielleicht etwas besser zu verstehen.
Gruß
Thomas
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: bekadi (-)
Datum: 12. August 2010 19:47
Hallo, ich sage jetzt einmal, ihr Zwei :-)
nachdem ich diese Site anfangs mit sehr großer Skepsis begegnet bin, finde ich doch so langsam durch euch wieder Zugang und verstehe vieles wieder besser.
Kurz; ich habe mich im Alter von rund 50 Jahren geoutet, zu dem Zeitpunkt brach für mich eine Welt zusammen, denn ich hatte mich in einen Mann verliebt und wollte dies Gefühl geniessen und konnte es dennoch nicht. Es war zu viel Schmerz dabei, so das ich eines Abends, zufällig bei meiner Geburtstagsfeier, seelisch zusammen gebrochen bin. Gut geschauspielert die Gäste verabschiedet, dann mit meiner Frau zusammen gesessen. Bohrende Fragen, was ist mit dir, willst du nicht endlich reinen Tisch machen... dazu muß ich sagen, dass ich meine Frau wahnsinnig geliebt habe, ihretwegen habe ich so viel Leid und Schmerz auf mich genommen, dass ich sie doch nicht verletzten wollte. Aber es platzte einfach aus mir heraus, habe ihr alles erzählt (ja, sie hat schon damals getrunken) und wir lagen uns weinend in den Armen und schworen uns, wir schaffen das schon (was eigentlich frage ich mich im Nachhinein?), wir bleiben zusammen, egal was immer kommt. Anstatt meinem Gefühl, meiner Trauer zu folgen, bin ich den Weg dann gegangen. Immer mit Liebe für meine Frau! Heute weiß ich, dass ich, das sie mich, betrogen habe! Sie nutzte und nutzt meine Hilflosigkeit unbewußt(?) aus, sperrt mich gefühlsmäßig ein. und auch körperlich, ich alleine weg gehen? Gibts nicht, es war sogar so weit, das ich nicht einmal mehr einkaufen gehen "durfte", das versuche ich im Moment endlich wieder einmal zu tun. Wie schon vormals erwähnt, habe ich meinen Kindern ebenfalls alles erzählt und sie gaben und geben mir Kraft, irgendwie weiter zu leben. Thomas, deine Frage bzgl. Alkohol; sie trinkt täglich, mindestens 2 Flaschen Prosecco oder Wein. Wenn sie an einem Tag nichts trinkt, dann weiß ich, es gibt Krach, irgend etwas passt wieder nicht. Aber sie lässt sich weder von mir noch von den Kindern irgend etwas sagen, SIE bestimmt. Wir hoffen dennoch immer noch, das sie einmal "wach" wird.
Meine Schmerzen sind zu dreiviertel körperlich bedingt, aber die Intensität und der Rest wird durch meine Seele geregelt, so merke ich deutliche Veränderungen wenn Streit bevorsteht oder da ist. Lach, es ist dann wie eine Art Thermometer, ich spüre... jetzt kommt irgend etwas.
Ja, ich möchte meine schwule Seite ausleben, ja, ich weiß, das es weh tut, allen anderen und mir wohl am meisten, ob ich es noch schaffe? Keine Ahnung, bin jetzt über 65 und da wird die Zeit sehr knapp.
Dennoch meinen Dank an euch für eure Reaktion!
LG
Dieter
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 12. August 2010 20:32
Hallo Dieter,
mensch Dieter, Du stehst auf dem falschen Parkplatz und wartest auf die Straßenbahn, wobei die Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite ist.
Wie knapp die Zeit ist, kann ich nicht beurteilen, ist auch egal.
Mein CO wurde auch "vorbereitet", indem ich mich in einen Mann verliebte. Das wurde so start, dass ich mich selbst fand (schwul!) und mich meiner Frau outete.
Und dann IHM, und er findet mich nett, aber er wollte bzw. will mich nicht ... da hatte ich Liebeskummer, habe geheult wie nie, aber ich will es nicht missen.
Und es passiert mir immer mal wieder, und es wird mir noch solange passieren, bis ich einen "für länger" gefunden habe.
Gib Deine Frau in Behandlung. Du bist bereits "sehr beschädigt" und wirst vollends an ihr und Deiner Situation kaputtgehen ... (sorry).
Wie gesagt, wie knapp Deine Zeit ist, weiß ich nicht, aber ich würde jetzt erst recht anfangen, ZU LEBEN!!!!!!!
Ich denke und fühle, dass Du ganz genau weißt, was zu tun ist, MACH ES!!
Lieben Gruß
Victor
1 mal bearbeitet. Zuletzt am 12.08.10 20:46.
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Thomas (-)
Datum: 13. August 2010 04:22
Hallo Dieter,
man kann gut mitfühlen das in dir eine leere entstanden ist, sogar den teilweise Hass auf Homosexualität kann man verstehen. Ich stelle mir das vor wie Engel und Teufel die auf deiner Schulter sitzen und dich in beide Richtungen ziehen.
Meine Mutter war Quartalstrinker, sie hatte lange trockene Phasen wo sie toll drauf war, umso heftiger wahren ihre Kontrollverluste wenn der Saufdruck zu groß wurde.
Mein Vater besorgte ihr nach tagelangem Trinken Distraneurin, das half ihr beim Entzug, damit war die saubere Normalität wieder hergestellt.
2003 hatte mein Vater einen Apoplex, 2006 fand ich meine Mutter Tod, mit 56, in ihrem Schlafzimmer.
Hätte sie 20Jahre vorher Grenzen, statt Distraneurin gehabt, würde sie vermutlich Heute noch Leben. Alkohol stiehlt locker 20Jahre Leben, aber nicht nur dem trinkenden, sondern auch den Angehörigen. Über so viele Jahre Probleme schlucken und Gefühle in sich zu vergraben ist im Grunde das gleiche Gift.
Als fast Zynisch empfand ich als mir meine beste Freundin 2006 mitteilte das sie PBC hat, eine Autoimmunerkrankung die in Leberzirrhose und Leberversagen endet, sie trank kaum Alkohol. Meine Mutter ist an Herzinfarkt verstorben.
Ich finde keine Entscheidung im Leben ist so Hart wie der Tod.
Habe per Google mal "Schwul ab 40" gesucht, raus kam "Gay & Grey" oder "Golden-Boys":-) der einzige Schwule mit 60+ bist du jedenfalls nicht.
Die Frage ob du mit 65 noch aus deinem Nest springen sollst musst du dir selber stellen, toll finde ich aber das deine Kinder zu dir stehen.
Ich könnte mir so einen Schrittweise Plan gut Vorstellen. Du sagst ihr wenn sie diese Woche trinkt, bist du Samstag den ganzen Tag außer Haus. Wie würde sie reagieren?
Lass dir vom Arzt Massagen verschreiben, anstatt der medizinischen gehst du zB. zur Gaymassage und lässt mal die Seele baumeln. Und wenn du nur Angeln gingst, deinen Freiraum lass dir nicht nehmen, einsperren hat mit Liebe nichts zu tun. Bewahre dir dein Stück Himmel, sonst bist du irgendwann ein verbitterter Mann. Du hast auch Verantwortung für dich, Beschäftige dich mit dir, lerne dein Verhalten besser zu verstehen [ www.suchtprozesse.de]
Wenn du dann nochmal einen Mann triffst in den du dich verliebst, dann denk mal darüber nach das in dir bestimmt eine Tonne Gefühle und Liebe steckt. Wenn die Bombe explodiert:-) kann das andere auch ungewollt überfordern und du bist wieder enttäuscht.
Und selbst wenn du von alledem nichts für dich umsetzt, ich finde toll das du nicht zu machst. Dein letzter Beitrag ist traurig, er zeigt aber auch einen tollen Mann;-)
Lieben Gruß
Thomas
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 13. August 2010 14:19
Hallo,
ja, Thomas hat recht, mir ging es genauso.
Eine Tonne Gfühl, unterdrückt aufgestaut, bereit zur überschwänglichen Liebe ... Peng, das ist für "den Angebeteten" leider viel zu viel.
Hilft alles nix, bremsen kann man sich auch nicht, also muss der erste oder zweite eben als "Übungsobjekt" herhalten.
So machen das die Teenies auch, uns (mir) passiert das eben erst jetzt.
Da müssen wir durch ...
Und auch wenn die ersten Erfahrungen anders (schlechter??) sind, als wir uns das vorgestellt haben, da sind noch viele neue Erfahrungen zu machen :-))))))))
Lieben Gruß
Victor
P.S. Thomas, wir sollten eine Gemeinschaftspraxis auf machen ;-))
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: bekadi (-)
Datum: 13. August 2010 18:49
Nochmals: danke für eure Tipps und euer Mitgefühl. Warum ich im Endeffekt so aufgesteckt habe, weiß ich auch nicht. Ich habe immer in meinem Leben gekämpft, nur diesen Kampf verliere ich jeden Tag mehr.
Noch einmal kurz zum Alkohol: sie behauptet für sich, sie hätte das im Griff und da gilt kein anderes Wort!
Ich habe, in Absprache mit meiner jüngsten Tochter, für mich nun einige Dinge vorgenommen und werde diese auch durchführen. Dazu gehören Besuche meiner noch verbliebenen (schwulen) Freunde, sowohl mal tagsüber als auch ein oder zwei Wochenende. Ich hatte dies bereits im letzten Jahr einmal (boh eh!) gemacht, vor, während und hinterher war zwar dicke Luft, aber für mich war diese Zeit wie eine Explosion, eine Befreiung.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und hoffe, dass wir uns hier oder wer weiß wo, zu diesen und anderen Themen noch weiterhin "lesen" :-)
Übrigens: bevor ich so weit unten war, war ich in einem Schwulenverein Berater für die Jugendlichen in gerade diesen Themen! Ihnen konnte ich helfen (habe reichlich Rückantworten und viele Umarmungen dafür bekommen).. nur bei mir selbst versagen diese Tips ;-)
Liebe Grüße
Dieter
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Thomas (-)
Datum: 13. August 2010 18:57
Hallo Dieter,
kleine Schritte sind ein Anfang:-)
PS brauchst dich nicht bedanken, dass Forum ist ein geben und nehmen, mir hat es schon oft Anstöße gegeben wenn ich hier über mich geschrieben habe.
Bis bald und liebe Grüße
Thomas
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 13. August 2010 19:04
Hallo Dieter,
ich kenne das, Anderen Tipps geben, alles glasklar, sich selber helfen ... fehlanzeige.
Kein Alkoholiker hat das im Griff (alles Schwindel!!) und das schlimmste sind Leute, die das glauben ... (sorry).
Ich kenne das aus eigener Erfahrung bzw. aus der eigenen Familie.
(Aber da kann ich selbst nichts machen, weil ich nicht vor Ort bin und dort auch die Angehörigen das Verhalten decken!)
Glückwunsch für Deine Kinder. Ich habe den Eindruck, die wissen längst dass Du schwul bist und eigentlich einen Freund bräuchtest um glücklich zu sein ... (für die brauchst Du Dich mit NICHTS zurückzuhalten, die halten zu Dir!!)
Mit Deiner Zurückhaltung, Sebstkasteiung oder -beschränkung aus "Liebe" oder Rücksicht (Freundschaft) zu Deiner Frau hilfst Du ihr NICHT weiter. Leider ist dies genau die einzige Möglichkeit, wie sie sich in Ruhe zu Tode saufen kann ...
(...)
(Es tut mir weh!)
Victor
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: bekadi (-)
Datum: 13. August 2010 19:09
Hi Viktor,
du hast wohl direkt davor gesessen. Meine Kinder wissen das ich schwul bin!! Ich habe mich allen gegenüber geoutet! Und, wie gesagt, sie sagen, ich soll abhauen! :-)
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 22. August 2010 14:53
Hallo Dieter,
hmmm, ich hatte nur gelesen "In Absprache mit meiner Tochter habe ich ..."
Das liest sich doch recht "kommod".
Sollst du abhauen weil Du schwul bist ???
lg.
victor
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: bekadi (-)
Datum: 22. August 2010 17:02
Hi Victor,
"abhauen" im Sinne meine Frau verlassen. Sie sagten, ich hätte mich schon viel zu lange demütigen und "knechten" lassen. Sie möchten, dass ich endlich mein Leben leben sollte! Also stehen voll hinter mir. Frage mich gerade heute wieder, wieso ich noch hier bin, wieder seit 2 Tagen "dicke" Luft wegen unnützen Dingen. Es quält nur die Seele!
Und warum halte ich über meine Frau noch schützend die Hände? Wozu?
LG
Dieter
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 27. August 2010 00:08
Hallo Dieter,
jetzt passt es wieder.
Deine Kids wollen Dich nicht loswerden, sondern, dass Du Deine Frau loslässt.
Du sollst Dein Leben leben.
Ja, das musst Du, Du kannst ihr nicht helfen, Du stehst ihr zu nahe.
(Ist leider so).
Gegen Alkoholiker in der Familie sind Familienmitglieder machtlos und können NICHT helfen.
So leid es mir tut, und so weh es Dir tut, so wahr ist es: Du musst an Dich denken, erst dann kann es mit Deiner Frau (woanders, mit anderen, oder selbst) besser gehen. Mit Dir wohl eher nicht ... sorry
lg.
Victor
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: erik (-)
Datum: 30. August 2010 21:36
Hallo, Dieter,
ich hatte Ende Juni mein coming out nach über 30 Jahren Ehe. Ich konnte nicht mehr so ein Doppelleben ertragen und meine Frau hintergehen, die das überhaupt nicht verdient hat. Ich habe es ihr und meinen erwachsenen Kindern in einer Nacht erzählt. Ich weiß, dass ich es hätte viel früher sagen müssen, aber mir fehlte der Mut. Hinzu kam, dass ich zu dem Zeitpunkt einige Wochen lang einen Freund hatte, was mich sehr froh machte, aber andererseits auch fast verzweifeln ließ. Nun habe ich es hinter mir. Meine Kinder stehen zu mir, mit meiner Frau verstehe ich mich einigermaßen gut, meine Eltern scheinen es zu akzeptieren. Es ist ein sehr schwerer Weg aber ich glaube, ich schaffe es und auch meine Frau.
Es gibt aber auch Momente, in denen ich zweifle, ob ich nicht hätte so weiter leben sollen im Verborgenen. Doch ich weiß, dass das Zusammenleben mit meiner Frau auch nicht mehr erfüllt war. Trennung schmerzt sehr, aber das Leben kann noch Schönes für uns bereit halten, was allemal besser ist als ein Nebeneinanderherleben mit einer Frau.
Ich stehe an einem neuen Lebensabschnitt und will ihn meistern.
Deshalb denke ich, lieber Dieter, du solltest auch konsequent sein und dich befreien.
Übrigens habe ich Kolleginnen und Freunde, die mir sehr helfen, was ich vor dem co nie gedacht hätte.
Es erfordert viel!! Kraft, aber es lohnt sich.
Erik
Re: Soweit bis hierher - und nun?
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 30. August 2010 22:43
Hallo,
ja, Erik hat recht.
Das Leben kann noch soooo viel Schönes bereithalten, da sind eine kurze "Durststrecke", ein paar "Windige abschnitte" und ein paar "Turbulenzen" doch zu verkraften.
Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
Wenn die Beziehung zur Frau einigermaßen geklappt hat, dann muss da eine sehr starke Freundschaft als Basis vorhanden sein, sonst hätte man es nicht geschafft, trotzdem Kinder zu zeugen und großzuziehen. Wenn man Glück hat, bleibt von dieser Freunschaft noch eine Weile etwas übrig ...
Wünsche iel Glück und Mut bei Deinen Entscheidungen für Dich und für Deine Familie
lg.
Victor
In diesem Forum dürfen nur registrierte Benutzer schreiben. Bitte melde Dich an.
|
 |
|
|
|
|
|
|
 |